Pressemeldung der Landeshauptstadt Hannover
- 21.07.2026
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- Kultur
Kunstprojekt: Mühlstein-Stapel für die Prinzenstraße
- Wettbewerb für die künstlerische Gestaltung des Straßenraums ist entschieden
- Stadt präsentiert Siegerentwurf von Ingo Vetter und Michelle P. Howard
Mächtige Mühlsteine – gestapelt und aufgespießt auf Straßenbahnmasten: Mit dieser außergewöhnlichen Idee für ein Skulpturen-Projekt haben Ingo Vetter (Bremen) und Michelle P. Howard (Berlin) die Jury des Kunstwettbewerbs für die innerstädtische Prinzenstraße in Hannover überzeugt. Den Siegerentwurf präsentierten sie gemeinsam mit Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay an diesem Dienstag (21. Juli) der Öffentlichkeit.
Die Landeshauptstadt hatte den Wettbewerb ausgelobt. In einem vorgeschalteten international ausgeschriebenen Bewerbungsverfahren wurden acht von rund 180 Einreichungen für die Teilnahme am Wettbewerb ausgesucht. Das hochkarätig besetzte Preisgericht unter Vorsitz von Britta Peters (künstlerische Leiterin von Urbane Künste Ruhr) empfahl einstimmig, den Entwurf von Vetter und Howard zu realisieren.
Harte Kerne einer vergangenen Zeit
„Alte Sachen“: So lautet der Titel des Siegerentwurfs. Gemeint sind damit die Mühlsteine, die in der Prinzenstraße installiert werden sollen. Schwere, unhandliche, kaum zu bewegende Klötze, die jedoch als „Kulturgut“ an Mühlen als Vorläufer der industriellen Revolution erinnerten und damit Zeugen der ersten Mechanisierung seien: So beschreibt es der von Vetter und Howard verfasste Prospekt zu dem Kunstprojekt. „Die Mühlen sind verschwunden, die Maschinen verrostet, die Arbeitsverhältnisse aufgelöst. Übrig geblieben sind die harten Kerne dieser Zeit. Und viel Nostalgie, regionale Verankerung, eine Art Techno-Spiritualität.“ Hannover, so heißt es weiter, sei mit seinem Umland ein wichtiges Mühlengebiet gewesen.
Wasser lässt die Steine wachsen
Der künstlerische Entwurf sieht vor, dass zunächst drei der alten Straßenbahnmasten in der Prinzenstraße mit Mühlsteinen besetzt werden sollen. Zwei davon werden bewässert: Im Ergebnis wächst auf den nassen Steinen Kalktuff, auf dem eine Patina aus Algen, Flechten und Moosen im Laufe der Zeit entsteht. „Aus den alten Sachen wird etwas Neues und die Steine wachsen. Das vermeintlich tote Kulturgut wird wieder lebendig – durch Nässe“, heißt es in der Beschreibung von Vetter und Howard. Der Wassereinsatz kühlt das Umfeld und bindet Feinstaub. Dort, wo Wasser versickert, wollen die beiden Kunstschaffenden wasserspeichernde Tuffstein-Riegel platzieren. Als Sitzgelegenheiten dienen weitere in der Straße aufgesetzte Mühlsteine, die als optionale Entwurfserweiterung angedacht sind.
Teil eines Transformationsprozesses der Innenstadt
Das Kunstprojekt in der Prinzenstraße ist Teil eines Transformationsprozesses, der die Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Innenstadt verbessern soll. Die kreative Gestaltung des Stadtraums spielt eine wesentliche Rolle. Die Prinzenstraße ist dabei wichtiger Teil des „Kulturdreiecks“ mit der Staatsoper Hannover, dem Schauspiel Hannover und dem Künstlerhaus. Gemeinsam entwickeln sie das Kulturareal. Mit temporären Aktionen wie dem Sommer im Kulturdreieck und dauerhaften Installationen wie dem Outdoor-Piano auf dem Opernplatz ist das Areal bereits jetzt ein besonderes Beispiel kultureller Stadtentwicklung.
Umbau der StraßeDerzeit baut die Stadt die Prinzenstraße um. Die bislang von Durchgangsverkehr belastete Straße, die kaum Grünanlagen hat, erhält einen neuen Charakter - als eine von Bäumen gesäumte Promenade, in der man sich gerne aufhält. Das Kunstprojekt, das voraussichtlich im Laufe des kommenden Jahres fertiggestellt wird, soll dazu seine ganz eigenen Akzente setzen.
Was Oberbürgermeister Belit Onay dazu sagt:
„Mich begeistern der Entwurf und die Idee dahinter. Die gestapelten Mühlsteine verbinden auf beeindruckende Weise ein Stück Geschichte von Stadt und Region mit einer außergewöhnlichen Formensprache. Der Entwurf nimmt außerdem den ökologischen Impuls der Schwammstadt auf. Beispielhaft wird mit dieser kreativen Gestaltung des öffentlichen Raums der Wandel der Innenstadt deutlich.
Bewusst ist uns aber auch, dass das Scheitern des Zisternen-Baus in der Prinzenstraße ein Rückschlag war, der mit gravierenden Belastungen für Anlieger verbunden ist. Insbesondere die entstandenen Gebäudeschäden haben Vertrauen beeinträchtigt. Diese Erfahrungen nehmen wir ernst. Und mit aller Ernsthaftigkeit bearbeitet die Stadt diese Angelegenheiten weiterhin im dafür vorgesehenen Verfahren - unabhängig von der Vorstellung des Kunstprojekts und des Umbaus der Straße. Dabei ist uns Transparenz besonders wichtig. Ich bin mir sicher, dass wir zu akzeptablen Lösungen finden. Die Prinzenstraße wird auf jeden Fall einen einzigartigen Charakter erhalten. Die Neugestaltung mit dem Kunstprojekt im Straßenraum zeigt, wie ambitioniert die Stadt Hannover ist.“
Was Kulturdezernentin Eva Bender dazu sagt:
„Stadtentwicklung durch Kultur: Das ist eine Leitidee, ein Anspruch, bei dem es um kreative Stadtraumgestaltung geht. In Hannover funktioniert das auf beeindruckende Art und Weise. Das haben wir zuletzt auf dem Opernplatz mit dem Aufbau des Pianos gesehen, in der Sophienstraße mit der Holzinger-Skulptur oder auch am Raschplatz mit dem Bodenkunstwerk. In der Prinzenstraße findet das Konzept von Kunst im öffentlichen Raum eine spektakuläre Fortsetzung. Das von Ingo Vetter und Michelle P. Howard vorgestellte Kunstprojekt wird die Prinzenstraße und das Kulturdreieck bereichern. Mich überzeugen Idee und Umsetzung. Es stiftet Identität und ist künstlerisch und ökologisch ungemein wertvoll.“
Hintergrundinformation:
Aus den mehr als 180 Einreichungen für das Bewerbungsverfahren zum Kunstwettbewerb Prinzenstraße wurden folgende Künstlerinnen und Künstler für die Teilnahme ausgesucht:
Christiane Möbus (Hannover),
Alexandra Navratil und Ester Alemayehu Hatle (Zürich/Basel und Copenhagen), Nuriye Elisabeth Tohermes (Hamburg),
Alona Rodeh (Berlin),
Klaus Weber (Berlin),
Ingo Vetter und Michelle P. Howard (Bremen/Berlin),
Sonia Leimer und Alexander Wolff (Wien/Berlin)
und Atelier Van Lieshout (Rotterdam).
über Ingo Vettergeboren 1968 in Bensheim. Er lebt und arbeitet in Bremen.
Ingo Vetter ist Bildhauer. Er stellt international aus und kooperiert oft mit anderen Künstler*innen, daraus folgen langfristige Engagements wie der „Detroit Tree of Heaven Woodshop" (seit 2005). Sein Interesse an Stadtplanung und Konzepten des öffentlichen Raumes führte zu Beteiligungen an Forschungsprojekten wie „Shrinking Cities" (2003 bis 2008) und Berateraufgaben (Mitglied der Kommissionen für Kunst am Bau bzw. im öffentlichen Raum in Bremen und München) sowie Gestaltungsaufträgen wie etwa „Loggbok", einem Stadtpark für Kiruna, einer Bergwerksstadt im subpolaren Norden Schwedens (2011 bis 2018), Horizontalturm, einem liegenden Aussichtsturm in Mistelbach, Niederösterreich (2017) oder „7 Hände gleichen Werts“, einer Serie von Steinskulpturen für die neue Zollhochschule in Rostock (Fertigstellung September 2026).Aktuell haben er und Michelle Howard mit Team den Wettbewerb zu den urbanen Situationen entlang des zentralen Bahnkorridors durch Düsseldorf (RRX) gewonnen und werden das Konzept „FERALcatalyst" für einen ökologischen Stadtumbau ab 2026 bis ca. 2035 umsetzen.
Ingo Vetter unterrichtet als Professor für Bildhauerei an der Hochschule für Künste Bremen mit einem besonderen Fokus auf künstlerische Materialien und Produktion in der Globalisierung.
Weitere Informationen auf den Homepages https://ingovetter.com und https://klassevetter.hfk-bremen.de
über Michelle Howardgeboren 1967 in Portlairge, Irland. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Wien. Michelle Howard ist Architektin und arbeitet an den Grenzen zwischen Kunst, Architektur und Ökologie. Ihre Praxis bewegt sich zwischen dauerhaften Bauwerken, Materialforschung und großformatigen Interventionen im öffentlichen Raum – alles vereint durch die Fragestellung: Wie kann die gebaute Umwelt als lebendiger, atmender Partner der natürlichen Welt neu gedacht werden? Einen Großteil ihrer Karriere vor ihrer akademischen Laufbahn verbrachte sie in den 1990er Jahren mit der Leitung von Projekten mit dem Renzo Piano Building Workshop in Frankreich, Italien und Deutschland und leitete anschließend zwei wegweisende Projekte für das Office for Metropolitan Architecture (OMA, Rotterdam): die Niederländische Botschaft in Berlin und die Casa da Musica in Porto.
Seit 2007 hat sie eine Professur für Kunst und Architektur inne und leitet die Plattform für Konstruktion, Material und Technologie an der Akademie der bildenden Künste Wien. In dieser akademischen Funktion leitet sie Forschung zu den materiellen Grundlagen der Bauindustrie, doch ihre künstlerische Praxis überschreitet disziplinäre Grenzen und behandelt Architektur nicht als fixes Objekt, sondern als performatives, sich entwickelndes Medium.
Derzeit leitet sie das EU-finanzierte Forschungsprojekt „Ignored Technology", eine Zusammenarbeit mit der Akademie für Kunst, Architektur und Design in Prag (UM-PRUM) und der Akademie der Bildenden Künste und Design in Bratislava (AFAD). Das Projekt untersucht die historischen Hierarchien zwischen „Technologie“ und „Handwerk“ und stellt patriarchale Voreingenommenheit infrage, die bestimmte materialbezogene Praktiken systematisch abgewertet hat.
Weitere Informationen auf den Homepages https://constructconcept.com und
https://mphcoco.myportfolio.com sowie https://www.akbild.ac.at/en/university/staff/86C77A38451C372DAnhänge
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Animation: Mühlstein-Stapel in der Prinzenstraße
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Animation: Mühlstein-Stapel in der Prinzenstrasse
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Ingo Vetter
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Michelle P. Howard

